Dienstag, 12.12.2017
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Debatte um BDE-Wahlkampfforderungen

Jetzt äußert sich der Verband

In der Debatte um die Wahlkampfforderungen der Entsorgungswirtschaft meldet sich jetzt der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. zu Wort.
In einem Factsheet (siehe unten) bewertet der Verband die Aussagen der im Bundestag vertretenen Parteien. Der BDE hat für die Bundestagswahl 2017 drei zentrale Wahlkampfforderungen formuliert, die als unverzichtbare Voraussetzungen für die Kreislaufwirtschaft angesehen werden, um an bisherige Erfolge anzuknüpfen. Die nächste Legislaturperiode muss genutzt werden, um Deutschland auf umweltpolitischem Spitzenniveau zu halten.
BDE-Präsident Peter Kurth sagte: „Ob Deutschland seiner verdienten Rolle als Recyclingweltmeister weiterhin gerecht werden kann, hängt maßgeblich von klugen Regeln und funktionierendem Vollzug ab. Hier ist die Politik gefordert." Die Antworten der Parteien wurden dem Branchenmagazin „recyclingnews“ exklusiv gegeben und liegen dem BDE vor.
Factsheet zu BDE-Wahlkampfforderungen

1. Europaweites Deponierungsverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle

Die CDU bezeichnete Deponierung mit Verweis auf die Abfallhierarchie zu Recht als „schlechteste aller Lösungen" im Umgang mit Abfällen. Richtig: Durch Deponierung von unbehandelten Siedlungsabfällen werden Ressourcen verschwendet und das Klima unnötig belastet. An Deponierung sollte erst gedacht werden, wenn sämtliche Wertstoffe dem Abfall entnommen sind. Ein europaweites Deponierungsver-bot, wie wir es in Deutschland haben, bezeichnete die CDU jedoch wegen der hohen Deponierungsquo-ten von bis zu 80 Prozent in einigen Ländern der EU für „unrealistisch". Der BDE nannte es: ambitioniert. Allein in Deutschland wurde der Ausstoß an CO2-Äquivalenten zwischen 1990 und 2015 von 38 Mio. Tonnen auf nur noch 11,2
Mio. Tonnen gesenkt. Den größten Anteil daran hatte das seit 2005 in Deutschland geltende Ablagerungsverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle.
SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke befanden, dass der positive Effekt, den das Deponierungs-verbot in Deutschland hatte, für ganz Europa gebraucht wird. Bündnis 90/Die Grünen nannte es „inak-zeptabel", die Zielvorgaben im Sinne der europäischen Abfallhierarchie nicht konsequent umzusetzen. Die SPD formulierte Unterstützung für den Beschluss des Europäischen Parlaments von Anfang 2017, wonach eine Deponierung „in den meisten Ländern nur noch für höchstens fünf Prozent aller Abfälle an-gewendet werden". Eine Beschränkung der Deponierung von Siedlungsabfällen auf zehn Prozent be-zeichnete die Partei als „unambitioniert". Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke drängten ebenfalls da-rauf, dass ein europaweites Deponierungsverbot konsequent umgesetzt wird. Gut: Wer den Klimaschutz ernst nimmt, muss ein europaweites Deponierungsverbot umsetzen.

2. Freiwilliges Recyclinglabel

Zur Information der Verbraucher und für mehr Recycling: Ein freiwilliges Recyclinglabel ist ein einfacher und effektiver Weg, um wertvolle Ressourcen und die Umwelt zu schonen. Unterstützung für eine Wei-terentwicklung des EU-Umweltzeichens gab es von SPD („volle Unterstützung"), CDU und Bündnis 90/ Die Grünen. Die CDU betonte, dass ein Recyclinglabel als Element der Verbraucherinformationen dazu beitragen kann, dass wertvolle Rohstoffe nicht mehr entsorgt, sondern in den Wirtschaftskreislauf zu-rückgeführt werden.
Die Linke hingegen sah die Verbraucher durch ein Recyclinglabel unnötig verwirrt. Der BDE widersprach: Ein Recyclinglabel schafft mehr Transparenz für den Verbraucher und kann das Konsumverhalten positiv beeinflussen. Verbraucher werden vor dem Kauf über die Recyclebarkeit eines Produktes und die da-für verwendeten Recyclingrohstoffe informiert. Auch für die Hersteller kann ein Recyclinglabel einen klaren Wettbewerbsvorteil bedeuten.

3. Markttest für bürgernahe Entsorgungsleistungen
Für Transparenz und hohe Qualität bei geringen Kosten: Der BDE forderte einen neutralen und überparteilichen Markttest für bürgernahe Entsorgungsleistungen. SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke sahen die öffentliche Daseinsvorsorge primär als kommunale Aufgabe an. Die Linke forderte, dass sich die private Entsorgungswirtschaft auf die „Weiterverarbeitung" der gesammelten Verpackungen und Altgeräte konzentriert. Die SPD lehnte einen Zwang zu Ausschreibungen ab und argumentierte, dass bürgernahe Entsorgungsdienstleistungen „originäre kommunale Aufgaben" seien. Sie setze sich des-halb „seit Jahren" dafür ein, weitere Privatisierungen in der Abfallwirtschaft zu verhindern. Das ist ein schwaches Argument: Nur weil eine Aufgabe originär kommunal war, bedeutet das nicht, dass die Kommunen für die Aufgabe noch immer besser geeignet sind. Durch einen Markttest wird ein fairer Wettbewerb angekurbelt. Davon profitieren die Bürger und die Branche.
Das sah die CDU auch so: Sie lehnte Rekommunalisierungen und wettbewerbseinschränkende Ausweitungen der Rechte der Kommunen ab. Die Partei wies darauf hin, dass wettbewerbliche Lösungen „die beste Gewähr für qualitativ hochwertige und für den Bürger und die Wirtschaft günstige Entsorgungslösungen" bieten.
 
Quelle: EM / BDE


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